Ganz schön groß ist die Zucchini, die im Hochbeet vor der Westerbergschule in Belecke wächst. Tanja Bräutigam, kommissarische Schulleiterin, hat sie liebevoll vorgezogen, und seit einigen Tagen sieht die ganze Grundschule zu, wie sie wächst. Zusammen mit „essbarem Gras“, wie die Grundschüler den Schnittlauch nennen, Basilikum, Zitronenmelisse und einer Erdbeerpflanze gehört sie zur Erstausstattung des Hochbeets, das der Rotary-Club Erwitte-Hellweg gesponsert hat. Die Klasse 2b übernimmt mit ihrer Klassenlehrerin Lena Dorenkamp bis zum Ende des Schuljahres die Gießpatenschaft und Verena Schneider verarbeitet in der Koch-AG die Erzeugnisse. Zucchinipuffer und Kräuterquark stehen dort zum Beispiel auf dem Programm, weiß Tanja Bräutigam – und die Zitronenmelisse wertet die Wasserzapfanlage in der Schule auf. „Wir sind sehr, sehr dankbar“, sagte Tanja Bräutigam jetzt, als sich Rotarier Thomas Jöllenbeck das fertige Beet ansah. Die Mittel – 1625 Euro – kommen aus dem Adventskalender des Rotary-Clubs Erwitte Hellweg und einem Sammel-Distrikt-Grant des Projekts „Gesundekids“. „Wir hoffen, dass wir damit ein bisschen unterstützen können“, sagte Thomas Jöllenbeck. Nächstes Jahr sollen die Schüler die Pflanzen in einer AG sogar selbst aufziehen – und vielleicht kommen auch noch ein paar Beerensträucher neben dem Beet zum Naschen dazu.
Was ist eigentlich ein Ja- und was ein Nein-Gefühl? Wie fühlt sich ein schlechtes Geheimnis an und darf ich das dann verraten? Wie erkenne ich meine eigenen Grenzen? Und wem kann ich mich anvertrauen, wenn ich ein ungutes Gefühl habe? Mit diesen Fragen haben sich in den letzten Wochen die Viertklässler im ganzen Stadtgebiet beschäftigt. Die Theaterpädagogische Werkstatt war mit ihrem Programm „Mein Körper gehört mir“ zu Gast.Das dreiteilige Programm über „Grenzen, die niemand überschreiten darf“ – so heißt es in der Beschreibung – gibt es schon seit über 30 Jahren. Seit einigen Jahren kommt die Theaterpädagogische Werkstatt auch zu den Grundschulen ins Stadtgebiet – ermöglicht durch die finanzielle Unterstützung der Stiftung Maria Hilf Warstein. „Kinder zu stärken und zu schützen ist eine Verantwortung, die wir alle tragen“, sagt Dietmar Müller, Vorstandsmitglied der Stiftung, dazu. Die Stiftung wolle dazu beitragen, „dass Kinder ihre eigenen Grenzen kennen, ihrem Bauchgefühl vertrauen und wissen, wo sie Hilfe finden“.Genau das haben die Kinder an den drei Terminen nämlich gelernt: Peter Reniers und Andrea Hölscher spielten ihnen kleine Szenen aus dem Leben vor, in denen es um ihre Grenzen ging. Drei wichtige Fragen gaben sie den Mädchen und Jungen mit an die Hand: Weiß jemand, wo ich bin? Bekomme ich Hilfe, wenn ich Hilfe brauche? Und: Habe ich ein Ja- oder Nein-Gefühl? Wenn das liebe ältere Ehepaar aus meiner Nachbarschaft fragt, ob ich zum Pizzaessen bleiben möchte, dann habe ich zwar ein Ja-Gefühl und brauche wahrscheinlich keine Hilfe, aber dann wissen Mama und Papa nicht Bescheid – und deshalb muss ich sie zum Beispiel anrufen.Ein ganz klares Nein-Gefühl zeigten Reniers und Hölscher aber in Situationen, in denen es um sexuellen Missbrauch ging – durch den fremden Mann im Park, aber auch durch Bruder oder Mutter. Denn: „Wir wissen, dass es meistens Personen sind, die ihr gut kennt“, sagte Peter Reniers beim dritten Termin in der Westerbergschule. Mit Andrea Hölscher zeigte er in den Geschichten, dass es wichtig ist, Hilfe zu holen – und sich nicht entmutigen zu lassen, wenn Erwachsene nicht so helfen, wie sie sollten. Denn über schlechte Geheimnisse dürfe man immer reden – das sei sogar mutig.